After the Shitstorm – was bleibt?

An anderer Stelle bin ich kurz auf eine aktuelle Diskussion eingegangen, ausgelöst durch den Teil eines Interviews mit der Ö3-Moderatorin für die Austrian Top-40, in dem sich diese abwertend über österreichische Musik geäußert hat. Ich habe bewusst ihren Namen rausgehalten, da das für mich nicht das Interessante war – im Nachhinein gesehen stand ich damit wohl recht alleine da. Angefangen mit abfälligen Bemerkungen über ihre Kompetenz als Moderatorin bis hin zu ausdrücklichen Beleidigungen ihrer Person ist der Shitstorm über sie hinweggefegt. So hat etwa der Kabarettist Thomas Stipsits in einem Video das Interview überspitzt dargestellt und impliziert, dass sie kokst (zu finden auf seiner Facebookseite). Der Sketch ist gut gemacht, aber er zeigt deutlich, dass der Großteil der Leute nur die Moderatorin als das Problem wahrgenommen hat – und nicht das, was hinter ihrer Aussage steckt.

Es gab jedoch auch andere Reaktionen, nur Stunden danach etwa eine kurze Nachstellung der erzählen Situation:

Inhaltlich mehr hergebend war der noch am selben Tag erschienene Song inklusive Video: „Lied, das wahrscheinlich ganz schlecht ist“ von „Irgendsoeine österreichische vollkommen unbekannte Band“.

Hier werden die Probleme, welche Musiker tatsächlich belasten, schon eher angesprochen. Die Frage, die indirekt gestellt wird: was ist an internationalen Songs musikalisch so viel „besser“, dass es eine solche Bevorzugung gegenüber nationalen Liedern rechtfertigt? Natürliche gibt es Elemente, die in den USA tatsächlich eine eigene Qualität haben, etwa der Sound (nicht ohne Grund sind etwa die großen Hits von Lady Gaga wie Bad Romance oder Just Dance vom selben Typen, RedOne, produziert worden).

Doch viel davon ist in meinen Augen nur geschicktes Marketing, welches nicht von Ö3 ausgeht, sondern direkt von den USA: man redet uns ein, dass dort die „echten Stars“ sind, Ö3 ist nur ein Teil der Maschinerie, genau wie viele andere Mainstreamsender in anderen Ländern. Es wird viel Geld ins Marketing gesteckt, dieses Geld muss vor allem über Konzerte reinkommen – und diese müssen auch international ausverkauft sein. Naheliegenderweise muss also jeder nationale Künstler, der einem Justin Bieber oder Robbie Williams in die Quere kommen könnte, weg – sonst hat man dieses Land als Einnahmequelle verloren.

In weiterer Folge versucht man als österreichischer Künstler, der dann halt doch mal vor tausenden Leuten spielen möchte, sich diesem Stil anzupassen. Das Problem dabei ist, dass man das Original der Kopie vorziehen wird – der „österreichische Justin Bieber“ funktioniert nur dann, wenn er Dialekt singt (da dieser Marktbereich nicht international besetzt werden kann), und ist dann auch weniger Musiker als Marke. Für manche ist das erstrebenswert (Tom Neuwirth alias Conchita Wurst etwa steht offen dazu, eine Kunstfigur zu sein), doch für jemanden, der tatsächlich als „authenthischer Musiker“ berühmt werden will, ist es ein Albtraum. Daher auch der Ratschlag, den ich von einem etablierten Labelchef gehört habe: sich niemals anpassen, das eigene Ding finden und durchziehen.

Auf diesen Aspekt geht auch folgender Song ein:

Nachdem nun einige Wochen ins Land gezogen sind, sind wir wieder im „Alltag“ angelangt. Die Moderatorin ist nach kurzem Krankenhausaufenthalt aufgrund der „Hexenverbrennung“ wieder auf den Beinen, österreichische Musiker sind in der öffentlichen Wahrnehmung nicht viel präsenter. Es sind viele kleine Geschichten, die notwendig sind, damit sich etwas ändert – sagt der Optimist in mir. Der Pessimist meint, dass es erst größere Ereignisse brauchen wird, bevor sich etwas bewegt. Der Realist schließt diesen Beitrag mit einem Schulterzucken ab und arbeitet weiter an seiner Musik.

Start and keep writing,

Flint

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